Unser Geburtsbericht – Teil 1

Ihr Lieben, ich habe es mir ein bisschen durch den Kopf gehen lassen müssen, ob ich euch zum Thema Geburt wirklich einen Bericht schreiben möchte oder nicht. Anfangs war ich tatsächlich dagegen einen Geburtsbericht zu schreiben, aber nachdem ich so viele Nachrichten dazu bekommen habe, wollte ich nicht so sein und habe mich doch dafür entschieden. Außerdem habe ich so selbst immer einen kleinen Reminder und vergesse es nicht (an dieser Stelle ein Dankeschön an Katha für den Anstoß). Ich möchte euch mit meinem Erfahrungsbericht gerne Mut machen und euch auch ein bisschen die Angst vor schlimmen Geschichten nehmen. Allerdings sage ich jetzt gleich mal vorweg, dass mein Geburtsbericht die ehrlichen Tatsachen widerspiegelt und ich keine Traumgeburt von 5 Stunden hatte. Kurz gesagt – ein Zuckerschlecken war es definitiv nicht.

Die Einleitung

Unsere Tochter Marlena wurde von verschiedenen Ärzten etwas größer geschätzt und mir wurde im vornherein ziemlich viel Angst gemacht. Aussagen wie “Ihre Tochter wird sicher (über) 4 Kilo wiegen und eine spontane Geburt wird sicher schwer” oder “Das ist aber ein großes Kind…Sie sind ja auch so groß…” schwirrten immer wieder in meinem Kopf umher. Verunsichert von vielen Aussagen, habe ich mich letztendlich auf mein Bauchgefühl und die letzte Aussage der Ärztin in der Geburtsklinik verlassen und mich nicht vor dem Entbindungstermin einleiten lassen. Mir wurde allerdings geraten, am errechneten Termin  vorstellig zu werden.  Ich trank Ingwer-, Salbei-, Himbeerblättertee, futterte scharfes Essen und unternahm schnelle Spaziergänge – unsere Tochter juckte das nicht die Bohne. Als Tag X, der 15.09.2020, angebrochen war und wir mit Sack und Pack zur Klinik fuhren, wurde mir dann doch etwas mulmig zumute. Da sich von alleine immer noch nichts in Sachen Wehen, Blasensprung etc. getan hat und wir auf den ärztlichen Rat vertrauten, entschieden wir uns mich mit einem Bändchen einleiten zu lassen.
Schmerzen hat man hierbei keine. Es wird ein “Stückchen Stoff” vor dem Muttermund platziert. Es ist jetzt nicht wirklich angenehm, aber nicht weiter dramatisch.

Dienstag, 15.09.2020 – 11:30 Uhr

Nachdem das Bändchen gesetzt wurde, bezogen Stefan und ich mein Zimmer und ich bekam ein bisschen was zu essen. Stefan fuhr nochmal nach Hause und holte seinen Proviantrucksack und noch ein paar Kleinigkeiten für Marlena und Brotzeit für mich. In der Zwischenzeit räumte ich meinen Schrank ein und hielt mit sämtlichen Leuten Kontakt. Ich musste jetzt auch ab sofort alle 2 Stunden zur CTG Kontrolle zum Check.

Dienstag, 15.09.2020 – 16:00 Uhr

Gegen 16 Uhr gingen wir nochmal ein bisschen im Park spazieren. Da ging es auch schon ein bisschen mit den Wehen los – jedoch wirklich nur minimal  und mehr so “Mickey Mouse” Wehen. Beim CTG wurde auch noch nicht wirklich viel angezeigt. Gegen 19 Uhr fuhr Stefan nach Hause und ich machte es mir zwischen meinen CTG Pausen ein bisschen gemütlich- aber nicht mehr lange sag ich nur. Meinem Chatverlauf mit Mucklaus zu entnehmen, befand ich mich im kompletten Hormonchaos und schrieb wirre Worte wie “Schwitze”, “habe Hunger”, “Bifi wäre toll” bis letztendlich “immer noch 1 cm Muttermund – deprimierend” an ihn.
Ich hab mich dann doch gegen einen Snack entschieden, da ich nicht sicher war, ob ich wieder ins Krankenhaus reinkomme und habe mich mit meinen Schmerzzäpfchen zufrieden gegeben.

Die Wehen gehen los

Mittwoch 16.09.2020 – 3:00 Uhr

Irgendwann konnte ich nicht mehr schlafen und wurde von den heftigen Schmerzen aus dem Schlaf gerissen. Instinktiv fing ich an die Wehen zu verschnaufen und stemmte mich immer wieder mit meinen Füßen gegen das Bettende. Meine Zimmernachbarin meinte zu mir “oh du schnaufst jetzt ziemlich arg – vielleicht solltest du klingeln”. Ich kann nicht mehr genau sagen wann, aber so gegen 4 Uhr habe ich nach der Nachtschwester gerufen und die fuhr mich dann mit meinem Bett Richtung Kreißsaal bzw. in ein Behandlungszimmer davor.

Hier bekam ich dann Infusionen mit Schmerzmittel und versuchte in den kurzen schmerzfreien Phasen zu dösen. Ich kann mich nicht mehr so richtig bewusst an den Schmerz erinnern (das hat die Natur gut eingerichtet), aber ich weiß noch, dass es sich anfühlte als würde ich heftige elektrische Schläge bekommen. Leute, ich habe so heftig geschwitzt und offenbar stand ich echt neben mir. Meine Sprachnachrichten an Stefan hören sich echt übel an.

Ich war so froh, als mir die Hebamme gegen 6:30 Uhr das GO gab Stefan zu mir rufen zu dürfen. Im Nu war er da und mir ging es mit ihm an meiner Seite schon viel viel besser. Wir wussten (mit ein bisschen Glück), heute wird unsere Tochter Marlena zur Welt kommen – das spornte uns richtig gut an! Was für ein langer und stressiger Weg noch vor uns liegen würde, war uns nicht bewusst.

Mittwoch 16.09.2020 – 07:00 Uhr
Wir waren nicht alleine – was für ein Schreck!

Genau kann ich die Uhrzeit nicht mehr sagen, aber es war irgendwas zwischen 07:00 und 08:00 Uhr. Wir bzw. ich wurden von unserem kleinen Behandlungszimmer Richtung Kreißsaal geschoben und kamen zunächst in eine Art “Behelfskreißsaal”. Ein kurzer Schockmoment überkam mich im Wehenwahnsinn. Denn wir waren in diesem Raum nicht alleine, sondern es befand sich darin ein weiteres Paar, welches auch kurz vor der Geburt stand.
Eine Art Trennwand diente zum Sichtschutz. Ehrlich gesagt war es mir irgendwann auch total egal denn ich bekam vor lauter Schmerzen ohnehin nichts mehr mit und wollte einfach nur noch schreien (was ich auch hin und wieder tat). Die Hebamme schaute immer wieder rein, sowie die diensthabende Ärztin.

“Langsam atmen Frau Sauer….” – aber wie soll das gehen?

Kurz hatte ich echt Panik, dass ich ohne jegliche Intimsphäre in diesem Raum unsere kleine Marlena zur Welt bringen muss. Doch am 16.09.20 haben sich offenbar einige Babys auf den Weg gemacht und die Geburtsstation war gnadenlos überlaufen und die Kreißsäle überfüllt. Wie es weiterging lest ihr im nächsten Beitrag 🙂

FORTSETZUNG FOLGT

Cécile
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1 Kommentar

  1. Elli
    10. Oktober 2020 / 23:38

    Das liest sich sehr spannend.
    Freue mich auf die Fortsetzung.
    Alles Gute.

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