Geburtsbericht – Teil 2

Mittwoch 16.09.2020 – 10:00 bis 12:00 Uhr

Alleine Aufstehen, Trinken oder Atmen war ehrlich gesagt nicht mehr möglich. Stefan hielt meine Hand immer ganz fest und war mein Anker. Immer wieder wurde der Stand des Muttermundes untersucht und ich bekam Schmerzmittel über den Tropf. Ich kann aber nicht wirklich sagen ob dies auch wirksam war – für kurze Zeit hat es schon etwas gebracht. Die Zeit verging sehr schnell und ich versuchte mich immer wieder auszuruhen, was mir aber nicht so gut gelang durch die Regelmäßigkeit der Wehen. By the Way schwitze ich immer noch wie im Hochsommer. Was der Körper alles leisten kann ist echt erstaunlich.

Stefan holte mir zwischendurch mal mein Frühstück, Süßigkeiten für die Hebammen (die waren so froh und haben sich riesig gefreut) und frische Klamotten für mich. Ich hatte immer die Vorstellung ein hübsches und bequemes Kleid bei der Geburt zu tragen und es war immer ein Akt die kurze Hose und alles auszuziehen wenn ich untersucht werden sollte. Nicht zu vergessen: Wir waren ja nicht alleine 🙂

Mein Schamgefühl habe ich zu Hause gelassen

Ich entschied mich letztendlich für ein Krankenhaushemdchen mit offenem Rücken und war damit ganz happy. Nie im Leben hätte ich vorher gedacht ich würde das wirklich anziehen. Aber in diesem Moment war es die richtige Entscheidung und fühlte sich passabel an. Auf den Laufsteg wollte ich heute ohnehin nicht mehr.

Mein komplettes Schamgefühl habe ich während der Geburt zu Hause gelassen. Etwas anderes blieb mir irgendwie auch nicht über wenn ich im Nachhinein so darüber nachdenke.
Ich habe mir Anfangs immer sehr viele Gedanken zum Thema Körperflüssigekeiten, Ausscheidungen usw. die man bei der Geburt verliert, die perfekte Intimrasur und der Hygiene im Allgemeinen gemacht. Aber glaubt mir eins: Das war mir dann irgendwann sowas von egal. Wichtig war mir nur, dass ich unsere Marlena gesund und wenn es geht möglichst bald auf die Welt bringen kann.

Ich habe mich im Übrigen bezüglich eines Einlaufs bei der Hebamme informiert und sie hat dem keine Bedeutung beigemessen – offensichtlich ist das kein großes Thema 🙂
Und um es gleich vorweg zu nehmen: NEIN! Ich hätte ihn auch nicht gebraucht.

Mittwoch 16.09.2020 – 12:00 Uhr

Als eine unserer beiden lieben Hebammen sagte, dass sie nun endlich einen richtigen Kreißsaal für uns frei hat und ich gleich eine PDA bekommen darf, war ich einfach nur erleichtert. Vor dem Setzen der PDA hatte ich vor der Geburt immer am meisten Angst. Ich kann euch aber alle beruhigen, denn es ist nur halb so schlimm wie man denkt und ich kann die vielen Horrorgeschichten darum nicht bestätigten. Für mich war es ehrlich gesagt eine richtige Erleichterung und die Schwierigkeit beim Setzen der Betäubung war eigentlich nur das extreme Zittern von mir durch die starken Wehen. Meine Muttermund war beim Setzen der PDA im übrigen schon bei 4 cm. Ein Stück geschafft, aber noch ein guter langer Weg vor uns. Als die Betäubung wirkte, war ich wie ein anderer Mensch. Ich fühlte mich zwar ein bisschen besoffen und meine Beine waren taub, aber ich konnte mich endlich ein bisschen erholen und sogar schlafen.

Übergewicht und PDA – kein Problem

Ich möchte auch noch ein paar Worte zum Thema Übergewicht und PDA verlieren. Wie schon oben erwähnt, hat mir allein die Vorstellung mit der Nadel und dem Schlauch im Rücken einen großen Schauder verpasst. Allerdings war es zur Betäubung der Schmerzen die absolut richtige Wahl. Der Arzt der sich mir annahm war wirklich große Klasse und ertastete auch bei mir im Nu die richtige Stelle. Ich habe zum Übergewicht auch noch eine Skoliose und somit 2 Baustellen. Die Stelle wird kurz eingespritzt und dann spürt man mehr oder weniger ein Dumpfes, ich nenne es mal “Rumhantieren”, im unteren Rückenbereich.

Mittwoch 16.09.2020 – 13:00 – 16:00 Uhr

Nachdem ich mich ein bisschen erholt habe, hatte ich richtig gut Appetit und Stefan fütterte mich mit ein bisschen Fisch und Reis. Ab und zu biss ich noch in einen Müsliriegel um meine Kräfte zu sammeln. Durch die gut sitzende PDA konnte ich mich zwar von alleine nicht mehr aufsetzen oder aufstehen, aber das war mir schlichtweg Wurscht. Zwischendurch hatte ich das Bedürfnis mich frisch zu machen und verpasste meinem verschwitzen Kopf eine ordentliche Portion Trockenshampoo. Durch das viele Liegen hatte ich glatt schon einige verfilzte Stellen im Haar – sowas geht gar nicht 🙂
Zwischendurch kam immer wieder unsere Hebamme vorbei und kümmerte sich ganz lieb um uns (trotz der anderen vielen Geburten).

Mittwoch 16.09.2020 – 16:00 – 21:00 Uhr

Wir vertrieben uns die Zeit mit Ratschen, Telefonieren, Schlafen und Whats App Kontakt halten.
Gegen 17 Uhr war mein Muttermund schon fast komplett geöffnet und wir waren alle guter Dinge. Doch es kam dann doch anders als wir dachten. Von Wehen spürte ich ja so gut wie nichts mehr und hatte auch kein Gefühl dafür wann es richtig losgehen könnte. Gegen ca. 18 Uhr war mein Muttermund komplett geöffnet und wir warteten gespannt auf die Anzeichen der Presswehen.
Ich kann euch nicht mehr genau sagen warum mir Blut abgenommen wurde oder warum unsere Hebamme zu dieser Entscheidung kam, aber sie stellte plötzlich Fieber bei mir fest und ich bekam sofort senkende Mittel. Nachdem die Blutergebnisse aus dem Labor zurückkamen, war auch klar, dass ich sehr hohe Entzündungswerte aufwies. Alles nicht so toll. Im Laufe der nächsten 2 Stunden wurde dann auch das CTG schlechter und die Herztöne rasten nach oben.

Ich hoffe das tut unserem Kind nicht weh!

Die Messung des Sauerstoffgehaltes von Marlena zerbrach uns das Herz

Um auf Nummer Sicher zu gehen wurde unser Wunder in zeitlichen Abständen immer wieder mit einer Nadel am Kopf gestochen, um den Sauerstoffgehalt in ihrem Blut festzustellen. Das war echt nicht schön, da man sich sofort Sorgen um sein Baby macht. Doch es war wohl notwendig. Der Arzt gab uns bis von ca. 19:00 – 21:00 immer wieder Zeit. Er hoffte auch, dass sich die Kleine von selbst auf den Weg machen würde. Doch Marlena war sehr stur und wollte absolut nicht. Wir versuchten gemeinsam 2 Presswehen (die ich übrigens nicht spürte) Marlena herauszulocken und die Hebamme sprang auf meinen Bauch. Es half leider nichts. Unsere Hebamme ist extra lange für uns geblieben und überzog ihre Schicht um 5 Stunden. Sie wollte Marlena unbedingt auf die Welt bringen…war aber dann selbst gegen 21 Uhr nicht mehr in der Lage konzentriert zu arbeiten, wie sie es selbst sagte.

Mittwoch 16.09.2020 –  21:00 – 23:59 Uhr “Marlena ist da”

Leider kam unser Arzt nach Warten, Pressen, Sauerstoffmaske & Hoffen gegen 21:00 Uhr zu der Entscheidung einen Kaiserschnitt zu machen, da er Sorge hatte es könnte sonst ein Notfall werden wenn die Werte weiter schlechter werden. Zudem wurde mein Fruchtwasser schon grün. Ich stand irgendwie total neben mir und machte mir seltsamerweise auch keine Gedanken. Trotzdem hatte ich Angst vor dem Schnitt und der OP.
Als ich über die Risiken (die erspare ich euch an dieser Stelle) aufgeklärt wurde und meine Unterschrift auf irgendwelche Dokumente setzte, kam auch schon der gut gelaunte Anästhesist und erläuterte mir ein bisschen was zur Operation. Ich weiß davon ehrlich gesagt nichts mehr.
Kurz nach 21 Uhr wurde ich dann schon in den OP gebracht. Ich hatte solch große Angst ich könnte den Schnitt spüren und bat um einen Probeschnitt – mein Anliegen wurde lächelnd angenommen. Ihr müsst euch vorstellen, ich lag da gefesselt, beide Arme nach rechts und links geschnallt, schon ein bisschen seltsam. Als alles abgehängt war, durfte auch endlich Stefan zu mir an die Seite und sie begannen zu hantieren an meinem Bauch.

Der Anästhesist versprach mir, dass ich nur spüren würde berührt zu werden, aber keinen Schmerz. Er fragte mich scherzhaft ob ich was spüre, denn ich bin schon längst aufgeschnitten. Nach Scherzen war mir irgendwie nicht so. Es fühlte sich sowas von komisch an und es war immer wie ein starker dumpfer Druck nach unten. Irgendwann fragte er mich dann ob ich das gehört habe und plötzlich hörte ich sie ganz laut schreien “Unsere Marlena”

MARLENA ist da – 21:47

Nach dem ersten Schrei wurde uns die kleine Maus ganz kurz gezeigt und kam dann für ca. 5 Minuten zum Check. Danach wurde sie zu uns gelegt und wir konnten sie endlich begrüßen. Das Gefühl ist so unglaublich und mir laufen jetzt die Tränen wenn ich daran denke. Marlena schaute uns mit großen wachen Augen an und war ganz irritiert, aber ruhig.

Da es mir dann plötzlich schlecht wurde und ich mich übergeben musste, bat ich Stefan mit Marlena zu gehen. Anschließend wurde ich wieder zugenäht und kam dann in einen Aufwachraum weit weg von meinen beiden Goldstücken. Ich glaube ich bin eingeschlafen, aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Neben mir lag ein verwirrter Mann und ich wollte nur noch zurück zu den Beiden.

Es war tatsächlich dann schon 0 Uhr als ich zurück in den Kreißsaal kam und Marlena das erste Mal so richtig in die Arme nehmen durfte. Das Gefühl war und ist einfach unbeschreiblich schön.

Eine Liebe die Begann und nie mehr enden wird. Endlich bist du bei uns Marlena. Wir lieben dich über alles!

Cécile
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